Analdrüsen beim Hund ausdrücken: wann nötig, wann nicht
Analdrüsen beim Hund ausdrücken ist nötig, wenn sie sich nicht mehr von selbst leeren und Beschwerden machen. Gesunde Hunde ohne Beschwerden brauchen kein routinemäßiges Ausdrücken, es kann die Drüsen sogar reizen. Rutscht Ihr Hund auf dem Po, leckt er sich ständig am After oder ist dort etwas geschwollen, lassen Sie ihn in der Tierarztpraxis untersuchen.
Von Michaela, Gründerin von Schöne Schnauzen in Berlin-Friedenau · Stand: · 4 Minuten Lesezeit
Was sind Analdrüsen beim Hund?
Analdrüsen, tierärztlich Analbeutel, sind zwei kleine Säckchen links und rechts vom After, etwa auf vier und auf acht Uhr. Sie bilden ein stark riechendes Sekret, eine Art Duftmarke. Normalerweise leeren sie sich beim Kotabsatz, weil der Kot von innen gegen die Beutel drückt. Bei Aufregung oder Schreck kann sich das Sekret auch spontan entleeren, so beschreibt es die tierärztliche Fakultät der Cornell University (öffnet in neuem Fenster).
Leeren sich die Beutel nicht richtig, staut sich das Sekret. Das Merck-Handbuch nennt als begünstigende Faktoren unter anderem eine zu geringe Entleerung beim Kotabsatz und schwache Muskulatur bei Übergewicht. In einer britischen Auswertung von Tierarztdaten hatten 4,4 Prozent der Hunde innerhalb eines Jahres ein Analbeutel-Problem. Die Fachleute zählen es damit zu den häufigen Gründen für einen Tierarztbesuch.
Woran erkennen Sie, dass die Analdrüsen Probleme machen?
Eines der häufigsten Zeichen ist Rutschen mit dem Po über den Boden, oft Schlittenfahren genannt. Dazu kommen Lecken oder Beißen am After oder am Schwanzansatz, Schmerzen beim Kotabsatz und Schwellungen neben dem After.
| Anzeichen | Was tun | Wer |
|---|---|---|
| Rutschen mit dem Po über den Boden | abklären lassen, vor allem, wenn es wiederkommt | Tierarztpraxis |
| häufiges Lecken oder Beißen am After oder Schwanzansatz | abklären lassen | Tierarztpraxis |
| strenger Geruch am Hinterteil | nach einem Schreck möglich, hält er an: abklären lassen | erst Sie, dann Tierarztpraxis |
| Schmerzen beim Sitzen oder Kotabsatz | zeitnah untersuchen lassen | Tierarztpraxis |
| Schwellung, Rötung, Blut oder Eiter neben dem After | zeitnah untersuchen lassen, nicht selbst drücken | Tierarztpraxis |
| keine Beschwerden | nichts tun, Ausdrücken ist nicht nötig | niemand |
Müssen Analdrüsen beim Hund regelmäßig ausgedrückt werden?
Nein, nicht bei gesunden Hunden ohne Beschwerden. Tierärztinnen und Tierärzte der Universität Utrecht (öffnet in neuem Fenster) schreiben, dass Analbeutel manchmal vorbeugend ausgedrückt werden, beim Hundefriseur oder in der Tierarztpraxis. Das sollte vorsichtig geschehen, denn es kann die Beutel und das Gewebe drumherum reizen und Rückfälle womöglich sogar fördern.
Anders ist es bei Hunden mit wiederkehrenden Problemen. Dann kann die Tierarztpraxis empfehlen, die Analbeutel regelmäßig abzutasten und zu entleeren. Gut erforscht ist das Thema insgesamt nicht: Laut der Universität Zürich gibt es wenig belastbare Daten zu Ursachen und Behandlung.
Wenn sich die Analbeutel nicht leeren
- Anschoppung: Das Sekret staut sich und kann eindicken
- Entzündung: Die Beutel sind gereizt
- Infektion: Bakterien vermehren sich
- Abszess: schmerzhafte, rote, warme Schwellung
Fachleute sehen diese Stufen als fließenden Übergang. Behandelt wird jede davon in der Tierarztpraxis.
Was macht der Hundefriseur bei den Analdrüsen?
Ein Hundesalon stellt keine Diagnose und behandelt nicht.
„Bei manchen Hunden lässt sich die Drüse von außen nicht tasten. Dann mache ich nichts, da ist mir die Verletzungsgefahr zu groß.“
Das ist eine Grenze des Salons, keine allgemeine Fachregel. In der Tierarztpraxis werden die Analbeutel bei Beschwerden auch über den After abgetastet. Was in einer Komplettpflege steckt, steht bei den Leistungen.
Wie sich der Preis einer Komplettpflege zusammensetzt, steht im Artikel Was kostet ein Hundefriseur?
Wie ein Bad bei uns abläuft, steht im Artikel Hund baden.
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Was können Sie selbst tun?
Vor allem hinschauen. Ob die Analdrüsen Probleme machen, merken Sie im Alltag oft zuerst.
Analdrüsen im Alltag
Das hilft
- Beobachten, ob Ihr Hund rutscht, leckt oder beim Kotabsatz Schmerzen zeigt
- Auf ein gesundes Gewicht achten, Übergewicht kann das Entleeren erschweren
- Bei wiederkehrenden Problemen mit der Tierarztpraxis einen Plan absprechen
Lieber nicht
- Beschwerdefreie Drüsen vorsorglich ausdrücken lassen
- Selbst drücken, wenn etwas geschwollen oder gerötet ist
- Mit Hausmitteln abwarten, wenn Ihr Hund Schmerzen zeigt
Wann muss ein Hund wegen der Analdrüsen zum Tierarzt?
Schwellung, Blut oder Eiter neben dem After und Schmerzen beim Sitzen gehören zeitnah in die Tierarztpraxis. Bei älteren Hunden sollte jeder Knoten am After abgeklärt werden: Analbeuteltumoren betreffen laut der Kleintierklinik der LMU München vor allem Hunde zwischen 9 und 11 Jahren und bleiben oft lange unbemerkt.
Häufige Fragen
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Kann man die Analdrüse beim Hund selbst ausdrücken?
Besser nicht. Ohne Beschwerden ist Ausdrücken nicht nötig und kann die Analbeutel reizen. Zeigt Ihr Hund Anzeichen, gehört er in die Tierarztpraxis, dort wird die Ursache geklärt. Bei wiederkehrenden Problemen kann die Praxis ein regelmäßiges Entleeren empfehlen.
Was kostet beim Tierarzt das Ausdrücken der Analdrüse?
Laut Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) kostet das manuelle Entleeren der Analbeutel 7,94 € je Seite im einfachen Satz, zuzüglich Umsatzsteuer. Abgerechnet wird je nach Schwierigkeit und Zeitaufwand bis zum Dreifachen. Eine Untersuchung kann dazukommen.
Hat der Hund Schmerzen, wenn die Analdrüse voll ist?
Eine gestaute Analdrüse ist unangenehm und kann jucken, das zeigt sich am Rutschen und Lecken. Entzündet sie sich oder bildet sich ein Abszess, tut es weh, auch beim Kotabsatz. Das Entleeren beim Tierarzt kann dann selbst schmerzen, deshalb wird manchmal sediert.
Welche Hunde haben häufiger Probleme mit den Analdrüsen?
In einer britischen Auswertung von Tierarztdaten waren unter anderem Cavalier King Charles Spaniel, Cockapoo, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel häufiger betroffen. Kurzköpfige Hunde hatten eine 2,6-mal so hohe Chance auf ein Analbeutel-Problem wie langköpfige.
Quellen
Alle 8 Quellen anzeigen
- Anal sac diseases (öffnet in neuem Fenster)
- Anal Sac Disease in Dogs and Cats (öffnet in neuem Fenster)
- A Cross-Sectional Study on Canine and Feline Anal Sac Disease (öffnet in neuem Fenster)
- Non-neoplastic anal sac disorders in UK dogs (öffnet in neuem Fenster)
- Analbeuteltumoren beim Hund (Merkblatt) (öffnet in neuem Fenster)
- Hund: Analbeutelentzündung (öffnet in neuem Fenster)
- Anal Sac Disease in Dogs (öffnet in neuem Fenster)
- Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), Gebührenverzeichnis (öffnet in neuem Fenster)
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